Hallo zusammen,
hier ist der dritte und letzte Part meines Wochenendtrips in Turin: Der Sonntag.
Nr1: Das Aufwachen war eine Qual nach den tollen Abend zuvor. Gott sei dank hatten wir bis 11 Uhr Zeit um aus unserem Hotel auszuchecken. Anschließend gab es nur eine Cola aus einem kleinen Supermarkt und dann ging es wieder auf Tour. Wir beschlossen nicht mehr in die Turiner Innenstadt zu gehen. Statt dessen fuhren wir bergauf, zu einer Basilika eines kleinen Nachbarorts.

Nr2: Von hier hatten wir einen fantastischen Blick über ganz Turin und die Alpen. Der Platz war ein „Insidertipp“ eines kleinen Reiseführers, den ich als 3-Euro-Schnäppchen in Deutschland ergattert hatte. Das Buch hatte Recht und wir waren glücklich

Nr3: Wir machten einen kleinen Spaziergang um die Basilika. Von weitem sahen wir am Fuße eines Baumes etwas Helles schimmern. An dem Baum lagen große, weiße Steine, auf denen positive Eigenschaften eines Menschen geschrieben waren. Eine sehr süße Idee, die ich mir unbedingt festhalten musste!

Nr4: Nach der Basilika setzten wir uns wieder ins Auto um den Heimweg nach Grenoble anzutreten. Wir wollten nicht mehr den Mont Blanc Tunnel nehmen, und auch keine Autobahn, um einerseits 60 Euro zu sparen, und andererseits kleine, italienische Ortschaften in den Alpen zu durchqueren. Ich mag es, wenn man in Städten ankommt und man das Gefühl bekommt, dort sei die Zeit irgdwann einfach stehen geblieben. Manchmal lassen mich nur die Autos realisieren, dass ich mich nicht auf einer Zeitreise befinde. Durch die Alpen fahren heißt aber auch viele Kurven und viel „hoch und runter“. Nan ging es absolut nicht gut dabei. Wir mussten ein paar mal halten, weil ihr letztes bisschen Gesichtsfarbe verschwunden war. Einmal war es ganz extrem, aber draußen war es zu kalt, um zu spazieren. Kelly und ich entschlossen ein Café zu suchen, so dass sie sich einen Moment bei einem warmen Tee ausruhen kann und sich ihr Magen ein wenig beruhigt. Doch das Dorf, in dem wir uns befanden, bestand nur aus wenigen Häusern und es war kein offenes Gasthaus in Sicht. Wir saßen schon wieder im Auto und wollten wenden als wir ein winziges Schild bemerkten, das auf einen kleinen Weg nach „steil oben“ zeigte. Die Aufschrift „Bar“ ließ Hoffnung schöpfen und kurz darauf folgte ein Schild mit einer Burg und dem Schriftzug “Forte de Fenestrelle“. Wir erreichten wenige Minuten später eine riesige Festung!

Nr5: Und wenn ich riesig sage, meine ich das auch. Die Festung von Fenestrelle zieht sich wie die chinesische Mauer. Sie geht einen Berg hinauf, ist 3 km lang und besitzt 4000 Stufen. Innen befand sich eine kleine Bar…

Nr6/Nr7: …in der wir Tee bestellten und versuchten Nan ein wenig aufzumuntern. Die Kellner waren sehr freundlich, sehr italienisch, sehr familiär. Wir bekamen einen Eindruck wie es ist in einem Dorf zu leben, in dem im Durchschnitt 13 Einwohnern pro Quadratkilometer hausen. Arbeit gibt es fast nur im über 2h entfernten Turin, aber niemand denkt daran das Dorf zu verlassen und näer an die Stadt zu ziehen. Veränderungen gibt es hier kaum. Es gab nicht viele Menschen in der Bar und die Anwesenden gehörten zum Einwohnerklan. Wie eine goße Familie, die sich an einem Sonntag in der Bar der Festung trifft, um freiwillig dort zu bewirten, zusammen Schinken und Käse zu essen, Genepi zu trinken und zu tratschen.


ohne Bild: Kelly und ich wollten ein wenig die Festung besichtigen, Nan blieb bei ihrem Tee. Sie wollte sich noch ein wenig ausruhen. Also trennten wir uns für einen kurzen Moment, in dem Wissen dass Nan bestens aufgehoben war, bei der italienischen Dorfgemeinschaft, bei der Menschen von weit weg mit anderen Kulturen fast ein Fremdwort zu sein schien. Da es so furchtbar kalt war, entschieden wir uns für eine Erforschung der Innenräume. Wir gingen in das Museum der Folter… krass was man dort zu sehen bekommt… Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die weder die Informationen, noch die Bilder hören oder sehen wollen. Ich akzeptiere das an dieser Stelle und gebe keine näheren Details weiter. Für mich persönlich ist es jedoch wichtig zu wissen, wie brutal unsere Geschichte ist, und wie brutal sie in anderen Kulturen auch heutzutage weitergeführt wird.
Nr9: Nach einigen Stunden Aufenthalt in der Festung, befanden wir uns wieder mit der kranken Nan auf den kurvigen Alpenwegen. Die nächsten Stunden führten durch verschneite Berge, leere Skigebiete, und Winterchaos (Schneestürme und Glatteis). Aus 4 Stunden geplanter Fahrtzeit wurden über 6, ohne die Stops eingerechnet. Auch wenn es zwischendurch ein wenig rutschig war, sind wir gut in Grenoble angekommen, und ich bin mir sicher, dass wir alle direkt ins Bett gekugelt sind!

Besser hätte das Wochenende nicht sein können, sogar die Übelkeit von Nan hat uns an einen spannenden Ort gebracht. So führte jeder Weg zu einem positiven Erlebnis und zu neuen Menschen mit eigenen Geschichten. „So free for a moment“ und diesmal musste ich dafür nicht alleine losziehen. Wir waren das perfekte Team für dieses perfekte Wochenende!