05.07.2011 Hanoi, Hotelzimmer
Liebes Reisetagebuch,
nun habe ich schon den zweiten Tag Hanoi hinter mir. Heute konnte ich einen besseren Eindruck über die Stadt gewinnen. Dennoch bin ich froh etwas Neues zu sehen. Hanoi ist zwar eine spannende Stadt, aber für mich gibt es schönere Orte. Das Gehupe und der viele Verkehr nerven. Aber ich erzähle euch trotzdem von meinem Tag.
Morgens flog ich noch kurz im Internet herum. Übrigens ist in Vietnam Facebook komplett gesperrt. Was nicht ins Land passt, wird halt zensiert. Jedenfalls surfte ich ein paar Minuten, bis mich jemand ansprach.
Ob ich auch in der Reisegruppe sei? Jop! Dann wäre sie meine Reiseleiterin. Eine thailändische Frau um die 30 (würde ich tippen) und da ihr Name so kompliziert sei, nennen sie alle Apple. Äpfel fand sie als Kind eben lustig, und ihren eigenen Namen mochte sie nicht. Mit einer Äpfelin gehts also durch Südostasien!
Sie organisierte mir noch schnell einen Platz in einer Motorrollertour am Mittag. Hier würden die anderen der Gruppe auch teilnehmen. Sie haben vorher schon mit ihr zusammen Vietnam erkundet, kannten sich also schon. Wir stoßen zu viert auf eine bestehende Gruppe. Eine der anderen “Neuen” wird sich mit mir ein Zimmer teilen. Ich habe sie heute zum ersten Mal gesehen, aber der Reihe nach…
Ich legte schnell einen Brief an meine noch unbekannte Mitbewohnerin aufs Bett und zog los: Vor der Rollertour wollte ich mir noch das Ho Chi Minh Mausoleum ansehen. Ho Chi Minh hat maßgeblich zur Befreiung Vietnams vom Kolonialismus beigetragen und wird hierfür von den Vietnamesen hoch gefeiert. Das Mausoleum ist nur bis 11 Uhr Vormittags geöffnet und jeden Tag sowohl von Einheimischen, als auch von Touristen überlaufen. Der Garten um das Mausoleum soll wohl schön sein. Deswegen machte ich mich auf den Weg.
Ich lief durch die Straßen bis ich das Mausoleum sah: Ein großer grauer Klotz. Vor dem Mausoleum war ein riesiger Platz. Doch durfte man diesen nicht betreten. Es gelten hier wohl Regeln, die nirgens geschrieben stehen, die Einheimischen kennen sie aber und die Touristen lernen Sie mit vielen hinweisen von Polizisten / Militär. Ich lief also – beobachtet von Männern in Uniformen – einen verdammt weiten Umweg um den Platz herum, durch Parallelstraßen bis auf die andere Seite des Mausoleums.
Und auch hier gingen die Regeln weiter. Eine Frau stellte alle Neuankömmlinge in Reihen auf. Dann ließ sie immer ca. 10 in einen Vorbereich, in dem man seine Taschen abzugeben hatte. Ein Mann schob willkürlich und ohne System Menschen von rechts nach links. Er entschied wer wo seinen Rucksack abgeben durfte. Nach wuseligem Durcheinander hatte ich Tasche gegen Nummer getauscht und lief nur noch mit Pass, Geld und Kamera eingereiht in eine Menschenschlange…
Die Schlange bewegte sich einige Zeit, bis dann Kameras abgegeben werden mussten. Auch meine Kamera wurde gegen eine Nummer eingetauscht. Ich muss dazu sagen, dass ich das nicht wollte. Ich wollte ja nur in den Garten und in dem durfte man fotografieren. Allerdings verstand hier niemand, warum ich nicht in das Mausoleum wollte. Ich wollte ja niemanden beleidigen. Also schloss ich mich weiter der Schlange an, die langsam aber sicher in ein großes graues Gebäude kroch, um an einer offen aufgebahrten, präparierten Leiche vorbeizulaufen und dann das Gebäude wieder zu verlassen. Vor mir lief eine Vietnamesische Familie. Die Mutter nahm ihr kleines Mädchen an die Hand. Stehen bleiben verboten!
Es tut mir sehr leid: Ich verstehe nicht, dass hunderttausende Menschen pro Tag starrend an einer Leiche vorbeilaufen. Einheimische kommen wohl regelmäßig um ihn anzusehen. Ich würde das nicht wollen. Ich wollte auch eigentlich keine offen aufgebahrte Leiche sehen. Ich dachte auch vorher man sieht “nur”seinen Sarg. Geschmacklos. Man munkelt übrigens, dass Ho Chi Minh eigentlich verbrannt werden wollte, also auch gar nicht so enden wollte…
Naja ich war dann ja auch in dem gewünschten Garten, und konnte ein paar Eindrücke gewinnen. Unter anderem einen kleinen Tempel, in dem ein Mann mir vieles erklärte und ich Fotos machen durfte. “Willkommen Fremde!”
Ich traf auf dem Weg zum Hotel einige aus der Gruppe. Ich hatte sie schon kurz im Hotel gesehen und sprach sie einfach an. Wir wollten gemeinsam mit dem Taxi zum Hotel.
Wir nahmen ein Taxi mit Taximeter (da man ja von Thailand weiß, dass das gut ist) und stiegen in ein Taxi mit manipuliertem Taximeter. Für 500 Meter sollten wir schon 5 Euro bezahlen. Wir stiegen aus und wollten nichts bezahlen, was zu starken Diskussionen führte. Der Mann wollte die Polizei holen, und wir wollten es schon fast drauf ankommen lassen, aber gaben ihm letzendlich einfach das Geld, was man in vietnamesischen Verhältnissen für 500 Meter bekommen würde. Den Rest liefen wir bis zum Hotel.
Ich zog mich um (geht hier nicht anders
) und bereitete mich mental auf die nächste Tour vor. Wie viel Respekt ich hier vor Motorrollern habe, und dann steig ich auch noch selbst auf eins. Verrückt…
Aber eh ich mich versah, saß ich hinter einem Motorrollerfahrer, der mich in der Gruppe durch Hanoi führte. Über die alte Brücke über den Fluss, zurück in die Stadt zur Oper, zum ehemaligen Gefägnis, durchs Botschaftsviertel, vorbei an Museen und Seen.
An einem Restaurant quiekte mein Fahrer kurz auf und erzählte mir erfreut, dass man hier gut Hund essen könne, und dass wenn ich schnell gucken würde auch ein Hund draußen bereitläge. Ja… Da lag er. Ein Hund zubereitet wie ein Spanferkel. Na lecker,…. Aber für ihn ist sowas nunmal eine Spezialität, ich würde das nie anrühren.
Unsere Gruppe wurde auch zu einem abgestürzten, amerikanischen Flugzeug geführt. Während des Krieges stürzte es in den See. Wie ein Wunder kam (außer dem Piloten wahrscheinlich) niemand ums Leben, und die umstehenden Häuser blieben unbeschädigt. So ruht das Flugzeug noch haargenau wie nach dem Absturz in dem See als Denkmal.
Übrigens: Für mich neue Gegenstände, die auf Rollern transportiert werden: ganze Leitern und Käfigweise Vögel. Wusstet ihr eigentlich wie hier typischerweise Vögel gehalten werden? Seht selbst:
Nach der Tour ging ich noch mit einem Mädchen, was die Reisegruppe morgen verlassen wird in den botanischen Garten. Sie (aus England) ist mit einem Arzt verheiratet, der auch mitreist. Sie waren zuvor 5 Monate für eine Hilfsorganisation in Malawi.
Ich behaupte jetzt einfach mal: Der botanische Garten ist der ruhigste Fleck unter offenem Himmel in Hanoi. Das Hupen ist hier weiter entfernt, das Grün gibt Gelassenheit, und anscheinend gibt es auch Privatsphäre für die Einheimischen. In einem Land, in dem Zärtlichkeiten niemals in der Öffentlichkeit gezeigt werden (es fängt schon beim Händchenhalten an), saßen hier ein paar Paare auf Picknickdecken sich umarmend. Sobald sie Schritte hören, schrecken sie auseinander. Schon irgendwie süß.
Nachdem wir einige Runden drehten, gingen wir zum Hotel zurück. Hier traf ich dann endlich auf meine Zimmernachbarin! G. ist aus den Staaten nach Vietnam geflogen. Sie ist Grundschullehrerin in Texas und kommt urprünglich aus Mexiko. Sie ist etwas kleiner als ich und unheimlich hübsch, und das wichtigste: sehr nett. Wir werden uns sicher gut verstehen! Zusammen mit den zwei anderen “Neuen” bekamen wir später von Apple eine Einführung in GAP Adventures und gingen mit allen anderen gemeinsam Essen. Während wir auf unser Essen warteten gab es gleich 3 Mal Stromausfall. Aber das Essen schmeckte. Ich hatte irgendwas Undefinierbares mit Ananas, aber es war lecker
Nun werde ich gleich die Augen schließen, denn morgen wird ein anstrengender Tag. Wir werden den ganzen Tag mit dem Bus bis Laos fahren, ohne große Zwischenstops… und es geht früh los…
Bis bald liebes Reisetagebuch!
Deine AnnaJuliana




















