04.07.2011 Hanoi, Hotelzimmer

Liebes Reisetagebuch,

“Good Evening Vietnam!”
Nun ist schon wieder der nächste Tag vorüber, und heute schon der Erste in Vietnam.

Die Nacht zu heute war furchtbar. Durch das Zimmer direkt auf der lauten Khao San konnte ich erst um 4 Uhr richtig schlafen. Und um 7 Uhr ging auch schon wieder der Wecker um zum Flughafen zu fahren.

Ich kam übrigens mit 18,7 kg durch das Flieger-Checkin. Und das schon nach 2 Tagen…

Der Sicherheitsbereich des Flughafens ist riesig. Ich habe mich ein bisschen umgesehen und dann noch eine Kleinigkeit gegessen.

Nicht weit von mir lief ein kleines Mädchen mit ihren Eltern. Mit Pampas-Popo, Lolli und Riesen-Teddy strahlte sie allen ein großes Lachen auf das Gesicht. Überall hielt sie an und guckte mit großen Augen in die Welt. Auf einem Rollsteig blieb sie einfach mittig stehen und guckte. Hinter ihr sammelten sich alle eiligen Menschen an und warteten brav, während ihr Vater sie zum gehen motivieren wollte. Aber warum gehen, wenn man doch eh schon fährt. Sie lutschte einfach ihren Lolli und zeigte der Menschenschlange hinter ihr, dass man auf Rollsteigen nicht eilen muss. “Achtung, Achtung, Strahlekind bringt Ihnen Ruhe bei!”

Achso, auch hier sind Mönche natürlich hoch angesehen. Die besten Sitzgelegenheiten im Flughafen sind für Mönche, Behinderte, Schwangere und Hilfsbedürftige reserviert.

“Good Bye Bangkok!”
Der Flug an sich war gut. Qatar scheint eine tolle Fluggesellschaft zu sein. Während ich bei Air Berlin mit einem Gemeinschaftsfernsehen zufrieden sein musste, hatte ich hier massig Filme auf einem Privaten Monitor. Nur zu wenig Zeit!

Als ich meinen ersten Schritt aus dem Gebäude machte, dachte ich mir, wie gut das Klima doch in Bangkok war. In Bangkok hatte ich gedacht, dass es fast nicht schlimmer sein könnte (weil es eben sehr schwül ist) aber hier war es so drückend warm und schwül, dass ich sofort wusste: Es wird ne harte Eingewöhnung. Aber das werde ich meistern.

Ich wurde am Flughafen abgeholt und ins Hotel gebracht. Als wir so im Auto fuhren, wurde mir nach und nach immer deutlicher, wie unterschiedlich diese beiden Städte doch sind. Hier in Hanoi ist Hupen Volkssport und es fahren wahnsinnig viele Menschen auf Motorrollern herum. Und auf diesen transportieren sie hier wohl alles. Von (LEBENDEN) Schweinen…

…über Eier…

…bis hin zu Ziegen.

Der Fahrer zeigte stolz von Roller zu Roller und schien erfreut über jedes weitere transportierte “Gut”, das er mir zeigen konnte. Ich konnte ja schwer schreien, aber bei den Schweinen standen mir die Tränen in den Augen. Ich hab es mir verkniffen und einfach immer wieder ein “ooooh yeees!” aus mir heraus gezwungen. Es ist eben eine andere Kultur.

Als ich das erste Mal Hanoi aus dem Auto sah, sah ich einige wenige Hochhäuser, die aus einer Smog-Wolke heraus lugten. Bis ich in dem Smog ankam, fuhren wir weiter an Reisfeldern vorbei, an Menschen, die mit Kegelhüten darin arbeiteten und an Motorrollern, die mit wahnwitzigen Manövern und viel Gehupe überholt wurden.

Mein erster eigener Gang in Vietnam war dann etwas wirr. Denn es ist nicht leicht, sich in einer so – ich nenne es mal lebhaften – Stadt zurecht zu kommen. Überall Motorroller, überall Gehupe, überall Abgase, überall Gewusel. In meinem Reiseführer stand irgendwas von “asiatischem Tempo”. Ob das wohl damit gemeint war? Es gibt hier kaum Ampeln, und wenn hält eh niemand bei rot. Hier läuft man einfach los um Straßen zu kreuzten, die Roller fahren schon irgendwie um einen herum. Man darf nur sein Tempo nicht erhöhen oder verringern, denn ich glaube sie planen genau das Schritttempo in ihre Umfahrungen ein. Natürlich muss man auf Autos achten, denn sie können nicht so gut umfahren. Und vor allem: Man darf die Nerven nicht verlieren. Wer schonmal in Hanoi war weiß, dass das nicht immer leicht ist.

Ich hob etwas Geld ab, aber auch damit war ich noch nicht so grün. Eigentlich sind 1 Euro ungefähr 29.500 Dong. Ich habe mich in all der Aufregung verrechnet. Ich habe 200.000 Dong abgehoben und habe irgendwie gedacht, es wären ca. 100 Euro (jetzt lache ich darüber).

Mit meinen imaginären 100 Euro in Dong lief ich weiter und wollte die Stadt erklimmen. Ich kämpfte mich über eine Kreuzung, als ich dann das wohl prägenste Ereignis des Tages miterleben durfte. Eine Ananasverkäuferin legte mir ihre Verkaufstrage über die Schulter. Wie gelämt musste ich so zusehen, wie sie sich meine Kamera schnappte und mir ihren Hut aufsetzte. Eine Zweite zerrte mich in eine Position, Lächeln, Foto, und danach konnte ich im Halbbewusstsein dabei zusehen wie meine 200.000 Dong in 50.000 gewandelt wurden und ich trotz begonenner Dikussion und Einbindung Dritter nichts mehr dagegen tun konnte. Für mich gingen gerade 75 Euro verloren… Für ein verschwommenes Bild.

Danach blieb meine Kamera fürs Meiste in meiner Tasche und kam nur hervor, wenn ich mich sicher fühlte. Schade, aber ich wollte nicht dabei zusehen, wie der nächste mit meiner Kamera ganz verschwindet. Ich war schon froh, dass ich “nur” 75 Euro verlor, und nicht meine geliebte Kamera verloren hatte. Ich erreichte irgendwann einen See, um den sich die Innenstadt Hanois bewegt.Von hier wollte ich dann weiter sehen.

Von hier aus kann man sich gut orientieren. Und hier traf ich einen englischen Mediziner, der auch alleine unterwegs war. Ich erzählte ihm aufgebracht meine Ananas-Geschichte und er fing laut an zu lachen.

Er lachte laut weiter und sagte: “Aber 150.000 Dong sind doch gerade mal 5 Euro” und verdammt, er hatte recht. Und verdammt, er hat mir damit den Tag gerettet. Wäre er nicht gewesen, hätte ich Hanoi für den Tag abgeschrieben :)

Ich hob also nochmal Geld ab und wir gingen zusammen zu Abend essen. Er erzählte mir von seinem Leben in England, von seinem Studium, seinem Job jetzt in der Forschung, von seiner Freundin und seinen Kumpels, mit denen er sich am nächsten Tag treffen würde, um Vietnam ohne großen Plan zu erkunden. Es war ein witziger Abend mit guten vietnamesischem Essen in einem kleinen, landestypischen Restaurant, etwas ruhiger gelgen, aber trotzdem mit “hupischem Hintergrundgesang”.

Danach stieg ich in ein Taxi. Der Fahrer und ich machten einen Preis aus, den ich von der Kellnerin als fair abgesegnet bekam (5.000 Dong). Er stellte zur Absicherung trotzdem noch das Taximeter an. Am Hotel wollte er einfach einen viel höheren Preis (50.000 Dong). Wir einigten uns dann auf den Taximeterpreis (28.000 Dong). Hier muss man mit Taxen aufpassen!

Und nun liege ich in meinem Bett. Diese Aussicht hier habe ich aus dem Zimmerfenster:

Heute werde ich früh einschlafen.
Morgen wird wieder ein aufregender Tag.
In Hanoi ist das auch nicht schwer.

Vietnamesische Grüße in den Abend!
Deine AnnaJuliana