03.07.2011 Bangkok, Khao San Road
Liebes Reisetagebuch,
Ein neuer Tag Bangkok liegt hinter mir. und JA. Ich habe heute ein anderes Bangkok gesehen. Ein echtes Bangkok.
Ich bin alleine in den Tag gestartet. Aber erst nach 10 Uhr
Die Zeitumstellung (5 Stunden nach der Zeit hier) hängt noch in meinem Kopf fest.
Ich aß in einem Lokal ein Omelett zum Frühstück, dann lief ich von hier nach da. Die Orientierungslosigkeit hatte sich noch etwas an mich geklammert. Meinen LonelyPlanet konnte ich nicht mit der Wirklichkeit kombinieren. Irgendwann lief ich einfach der Nase nach. Ich hatte eh kein richtiges Ziel.

Ich wusste von einigen Leuten, dass fast alle Sehenswürdigkeiten (Tempel, Museen) an diesem Tag geschlossen sein würden. Es ist der 03.07.2011. In Bangkok wird heute gewählt. Vor den Tempeln und an Straßenecken sind Pavillions aufgebaut, unter denen Wahlhelfer und Wähler sich um Urnen tummelten und fleißig bunte Zettel von A nach B schoben. Das heißt für alle Unbeteiligten: Kein Alkohol (was mich eh nicht stört, weil ich fast nie trinke) und geschlossene Türen, zumindest zum Teil.

Ich lief also Straßen entlang und orientierte mich an anderen Touristen. Bis ich eine blonde junge Frau auf einer Kreuzung traf. Sie kam aus der Schweiz und verbrachte schon so einige Tage in Asien und auch in Bangkok. Sie hatte die Sehenswürsigkeiten schon hinter sich und keine Lust auf die normale Sightseeing-Tour. Übrigens genauso wenig wie ich, denn ich wollte heute einfach nur Bangkok erleben.

Kurz und knapp: Wir schlossen uns zusammen, denn sie suchte den Fluss um dort mit einer Fähre zu fahren. Das stand auch auf meiner Liste. Vor meiner Reise hatte mir auch meine liebe Freundin N. davon berichtet (Ich verdanke ihr und ihrem Mann überhaupt diesen Urlaub, weil sie mich mit ihrer Thailand-Liebe ansteckten und mitrissen… Also hab ich sie ein bisschen mit mir hier
). Also… Ab zum Fluss und rauf auf eine Fähre…

Wir wollten ein Tagesticket kaufen, was man für 150 Baht bekommt. Also irgendwas um die 3,50€. Der Kauf scheiterte aber an den Verständnisschwierigkeiten zwischen der Ticketabreißfrau und uns. Also kauften wir einfach irgendein Ticket für 3 Baht und ließen uns einmal an die andere Seite des Flusses setzen. Dort versuchten wir erneut unser Glück und mussten zur Kenntnis nehmen, dass es sinnlos war
Wir zeigten der nächsten Frau also einfach einen Punkt auf der Karte Bangkoks und bezahlten 14 Baht. Eine andere Frau zeigte uns die passende Fähre und wir stiegen ein.

An öffentlichen Plätzen ist immer auch ein Bereich für Mönche vorbehalten, da sie einen sehr besonderen Status in der Bevölkerung einnehmen. So ist es eben auch auf den Fähren. Die Fähren sind eines der typischen Verkehrsmittel der Bangkoker. Mit ihnen kommt man schnell voran. Unsere Fähre war zum Beispiel ziemlich überfüllt. an einen Sitzplatz nicht zu denken. Einen „Guck-Steh-Platz“ ergatterten wir erst nach 2 Stationen. Und wir waren noch einige weitere Stationen die einzigen Touristen auf dem Stück schwimmenden Etwas.

Wir fuhren ein ganzes Stück lang. Ich würde schätzen wir waren bestimmt eine halbe Stunde auf dem Boot. Wir fuhren unter der Brücke her, dessen Name und Bedeutung ich nicht kenne, aber von ihrem Aussehen schätzen würde, dass sie etwas Besonderes ist. Wir fuhren an Tempeln, an Statuen, an unterschiedlichen Wohnformen, am Leben hier vorbei. Und ich sog es einfach auf. An einer Station sahen wir sogar Menschen Brot ins Wasser schmeißen. Riesige Stücke auf einmal. Blitzschnell rasten noch riesigere Fische an die Oberfläche und verschlangen ihr Mittagessen. Das war irgendwie beeindruckend. Aber leider zu weit weg für ein Foto.

Welche Fähre wohin fährt, erkennt man an der Farbe ihrer Fahne. Den richtigen Plan hab ich zwar trotzdem nicht verstanden, aber immerhin bin ich Fähre gefahren

Beim Anlegen läuft übrigens immer alles gleich ab. Das Schiff fährt eigentlich sehr schnell an die Stelle heran. Ein Helfer springt mit einem Seil heraus bindet es fix an einen Pfeiler und zieht das Boot nah heran. Es wird viel gepfiffen, Das Aus- und Einsteigen geht Zack Zack. Irgendwie witzig.

An manchen Haltestellen erkennt man die Art des Bauens am Fluss. Normalerweise sind auch hier die Haltestellen Betoniert im Wasser. Manche Gebilde allerdings stehen auf Holzpfeilern, was in Verbindung mit dem Wasser etwas Morsch macht. Also wurden wohl einfach immer wieder Neue gebaut

Wir stiegen einfach irgendwo aus, weil unsere Haltestellennummer nicht angefahren wurde. Wie gesagt, den Plan hab ich irgendwie nicht verstanden
Wir sahen über den Dächern einen Tempel ragen. Dort liefen wir erstmal hin. Wir sahen eine große Anlage. Einige Mönche liefen an uns vorbei und sogar eine Nonne (Erkennbar an den weißen Gewändern. Mönche tragen Orange. Es gibt auch Männer, die weiß tragen hat man mir erzählt. Diese sind keine richtigen Mönche, da sie nicht alle Regeln befolgen, leben aber dennoch in den Tempelanlagen. Beide Geschlechter rasieren sich übrigens die Köpfe.) Wir sahen zum Beispiel auch Gebetsglocken. Von denen habe ich Zuahuse mal gehört. Man wünscht sich was und läutet. Welches Prinzip allerdings dahinter steht, wann man welche Glocke nimmt und wie diese Wünsche formuliert sein müssen, kann ich nicht beantworten. Trotzdem finde ich sie schön.

Der Tempel an sich, der in einem eher ärmlicheren Viertel stand, gab es noch einen anderen angrenzenden sehr ruhigen und friedlichen Ort. Den Rand des Flusses. Hier waren unzählbar viele Tauben auf einem Platz. Mitten zwischen Ihnen stand ein junger Mönch und fütterte. Niemand sagte hier ein Wort. Auch hier wollte ich die Szene selbst nicht durch ein Foto zerstören. Ein schöner Ort. Friedlich und Ruhig. Geborgen.


Der Tempel, und die dazugehörigen anderen Häuser waren alle in Rot, Grün und Gold-Tönen gehalten. Mitten in einer eher grauen Welt. Nicht sehr reich, aber auch nciht das Ärmste was ich gesehen habe. Aber dennoch: Diese Bunte und Stolze Bauten hoben sich hervor wie ein riesiges Zeichen. Hier hielten sich viele Menschen auf. Die Farben gaben dem noch mehr festliche Stimmung.


Überall fand ich übrigens bisher diese Häuschen. Von ihnen hatte ich auch Zuhause gehört. Man glaubt hier, dass unter uns Geister leben. Sie leben eben auch in den Häusern, die man beziehen will, oder auf den Grundstücken. Da man ihnen den Platz streitig macht, aber sie positiv stimmen mag, baut man ihnen prächtige Häuser und bringt ihnen Gaben. Es gibt Häuser auf einer Säule und und Häuser auf vier Säulen. Die einen sind für die Geister, die schon dort wohnten als man kam, die anderen sind für neue Geister, die einem Glück bringen sollen. Welches Haus jetzt für wen ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß für mich, dass ich diese Geste sehr schön finde. Vielleicht bastel ich auch mal einem kleinen Geist ein wunderschönes Haus. Wer weiß…

Zwischen den Anlagen befand sich auch ein großer Baum. Um den Baum herum waren Unmengen kleiner Figuren, meistens Buddhas, befestigt. Viele waren schon mit der Zeit in den Baum verwachsen.


Nachdem wir alles gesehen hatten liefen wir irgendwie Richtung „zurück“. Vorbei an Massen von Wahlplakaten und Wahlstellen, vorbei an viel Verkehr, an Kanälen, und vor allem durch Militärdistrikte. was vielleicht auch an unserem guten orientierungssinn lag *lach*. Aber auch das hier war nunmal Bangkok. Und glaubt mir, der Militärbereich ging über etliche Gebäude, wahnsinnig riesige Komplexe.
Übrigens. Das Müllproblem gibt es natürlich auch. Dass man Müll und Abwasser in Kanäle entsorgt, ist für mich nichts Neues, und es gehört leider in vielen Ländern dazu. Man kann das ignorieren, weil die Straßen selbst eigentlich sehr sauber sind. Wenn man genau hinsieht, kann man diese Ecken aber eben auch sehen. Wobei ich auch schon so manchen toten Kanal in Deutschland gesehen habe, der nicht mehr wirklich appetittlich aussah.

Nach nicht enden wollenden Militärgebäuden nahmen wir „einfach“ einen Bus. Das heißt, wir gingen zu nem Wahlstand und fragten nach Hilfe. Man zeigte spontan auf einen ankommenden Bus, wir beeilten uns sprangen rein und verließen uns auf zwei junbge Frauen, die auf die Frage nach dem Zentrum mit einem Nicken und beruhigenden Gesten antworteten. Wir fuhren eine Weile und die Mädels brachten uns zu dem Ort, wo viele Verkehrsmittel zusammen führten: Das Victory Monument.

Unsere Reiseführer berichteten von einem Kaufhaus in der Nähe. Uns ergriff langsam der Hunger und wir ertasteten unseren Weg durch die verschiedenen Gesichter dieser Stadt. Wohnhäuser neben Straßenständen neben stattlichen Malls.




Zu meiner Schande muss ich gestehen: Wir haben bei Mac Donalds gegessen. Doch glaubt mir: Der Thai-Bevölkerung in diesem Lokal nach zu urteilen gehört auch das zu Bangkok
Ich werde eh noch genug asiatische Küche zu mir nehmen und Pommes kamen mir gerade wirklich toll vor
Nachdem wir uns die Mägen voll schliegen, und über Dies und Das unserer Leben geplaudert hatten, machten wir uns für den nächsten Punkt unserer Tagestour bereit. Wir wollten auf das höchste Gebäude der Stadt und über die Skyline Bangkoks sehen: Den Bayoke Tower. Die Fahrt dorthin verbrachten wir in einem TukTuk. Einem umgebauten Motorroller mit angebrachter, überdachter Sitzbank. Stinkend, Laut, zu Schnell, Beängstigend, aber Bangkok
Und wir kamen an! Dieses Gebäude fiel uns unten zuerst auf, war aber nur ein Nebe

Es ging mit Aufzügen nach oben. Über die 12. Etage in die 77. Über die 83. auf die 84. Etage, die dann letzendlich ein offene, sich drehende Scheibe war, natürlich eingezäunt.

Wir konnten über die Stadt sehen. Wir konnten einige Sehenswürdigkeiten erblicken, konnten die Verkehrsstrukturen begutachten, und natürlich diese vielen Hochhäuser sehen. Was wirklich beeindruckend war.



Doof aussehen kann ich übrigens auch in Bangkok

Hier sieht man übrigens das Victory Monument von oben. Schon ein Unterschied wenn man das Bild oben nochmal vor Augen sieht.

Das Dach des Bayoke Towers ist nochmal etwas weiter oben, allerdings kann man dort nciht hinauf. Ist wahrscheinlich auch besser so. Die 84. reicht auch vollkommen.

Für den sehr teuren Eintritt in der Höhe von 220 Baht bekommt man in einer bar auf der 83. Etage ein Freigetränk. Wir tranken Fruchtshakes und betrachteten lange die Stadt.

Wir sahen auch den typischen 18Uhr Regen auf uns zukommen. Auch das war sehr beeindruckend. Als die Regenfront immer näher kam nahm sie uns die Sicht auf ganze Gebäude. Der Regennebel umhüllte die Stadt. Bis wir spontan sagten: Lass uns nochmal rauf gehen. Wir stiegen nochmal die Treppen bis zur 84. hinauf und fragten den Wärter, ob er uns nochmal raus lassen könne. Er zeigte nach draußen und wir beschlossen eine ganze Runde zu drehen… Dieses Foto war das Letze bevor wir unsere Runde starteten:

Wir standen kurz vor dem Abbruch unseres Ziels, gebäugt gegen den Wind, der uns den Regen ins Gesicht schlug. Aber wir motivierten uns gegenseitig und waren wirklich so verrückt, dass wir plitsche, platsche nass die Treppen wieder herunter stiegen. Aber mit einem breitem Grinsen auf den Lippen und mit Gelächter im Gepäck.

Mit dem Bus gings wieder in die Khao San. Wieder wurden wir einfach in einen Bus gesetzt und ein paar Meter zu Fuß zu unserem Ziel gebracht. Es ist wirklich shcön zu sehen, dass die Leute hier eigentlich zu schüchtern sind, oder uns nicht verstehen, aber immer irgendjemand, mit irgendwelchen Gesten zur Hilfe kommt. Unsere Helferin war eine Besitzerin eines Fashion Stores in einer Shopping Mall. Von unserem Bus brachte sie uns über rote Ampel einer sechsspurigen Straße. Das gehört hier wohl auch zum Leben. Wir haben uns einfach sehr nah an sie gehalten, ihr vertraut und überlebt. So einfach
In der Khao San trafen wir vor einem Massagesalon mal wieder auf die drei Niederländer. Wir machten parallel Wellness an diesem Abend. Während wir Mädels in der Pediküre saßen, machten die Jungs Gesichtsbehandlungen, und während wir Gesichtsbehandlungen machten, machten die Jungs Fische-Füttern. Danach machten wir nochmal eine Stunde Ölmassagen in einem kleinen Massagesalon noch etwas weiter entfernt.

Wir aßen dann noch alle Fünf gemeinsam zu Abend.
Das war ein so netter Tag. Morgen werde ich sehr früh aufbrechen um nach Hanoi zu fliegen. Auch die Schweizerin wird morgen abreisen. Allerdings noch früher als ich. Jetzt sitze ich im Hotel vor meinem wieder gepackten Rucksack. Bald muss ich mal meine Augen zu machen und einschlafen. Aber nach so langen Wellnessbehandlungen kann man das sowieso sehr schnell und fest. Ich sollte mich Zuhause auch öfter mal massieren lassen!
Gute Nacht Thailand.
Schlafenszeit.